Hereinspaziert ins Boss-Büro
Die Wirtschaftszeitung besucht Entscheiderinnen und Entscheider an ihrem Arbeitsplatz - heute: Josefine Frank, Schlossleiterin in Pillnitz
Von Nannette Hoffmann
Als elfjähriges Mädchen besuchte Josefine Frank das erste Mal Schloss & Park Pillnitz. Heute, 26 Jahre später, hat die gebürtige Thüringerin die Verantwortung über das 85 Hektar große Areal. Denn seit November 2022 ist sie die Schlossleiterin.
In den Räumlichkeiten des Neuen Palais gleich neben der Katholischen Hofkapelle befindet sich ihr Büro. Wer glaubt, dort eröffne sich dem Besucher ein herrschaftliches Zimmer mit allerlei Prunk und Pracht, der irrt. Josefine Frank arbeitet in einem kleinen, modern eingerichteten Büro. Neben einem Schreib- und Beratungstisch gibt es noch zwei Aktenschränke. Mehr brauche sie nicht. Dafür genießt Josefine Frank einen fantastischen Ausblick auf den Fliederhof. Die hochstämmigen Bäumchen leuchten im Frühjahr in einem wunderschönen Lila und tragen einen zauberhaften Duft in ihr Büro.
Ihre Arbeit in Pillnitz unterscheide sich laut Josefine Frank nicht von denen anderer öffentlichen Einrichtungen. Sie weiß, wovon sie spricht. Nach ihrem Studium war Josefine Frank in verschiedenen Museen in Großbritannien tätig, danach im Deutschen Hygiene-Museum Dresden und bei der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha.
„Die Arbeit macht großen Spaß, hat aber mit vielen alltäglichen Dingen zu tun: Orientierung auf dem Gelände geben, schauen, dass alles funktioniert, Personal planen et cetera“, zählt die 37- Jährige auf. Knapp 400.000 Menschen sind jährlich auf Schloss & Park Pillnitz zu Besuch. „Ihnen einen angenehmen Aufenthalt zu verschaffen, ist eine meiner Hauptaufgaben.“ Dafür sind Josefine Frank und ihr zwölfköpfiges Team tagtäglich im Einsatz.
Als sie vor gut einem Jahr anfing, hat sie sich eine Saison Zeit genommen, alles anzugucken und Prozesse kennenzulernen. „Einfach, um ein Gefühl für diesen Ort zu bekommen.“ Gleich danach ging es los: „Wir sind dabei, die Dauerausstellung im Schlossmuseum zu überarbeiten.“ Diese soll nun auch einen Blick auf die Lebensgeschichte des Küchenpersonals werfen und zeigen, wie für die Königsfamilie gekocht wurde.
Bis April dieses Jahres wird zudem ein neuer Beschilderungs- und Orientierungsplan samt Flyer erarbeitet. „Damit wollen wir den Besucherinnen und Besuchern noch besser zeigen, was es bei uns alles zu entdecken gibt.“ Viele wüssten nicht, dass es neben der 25 Hektar großen Parkanlage mit Palmenhaus auch das Schloss- und das Kunstgewerbemuseum gibt.
„Neben Geschichte und Garten kann man bei uns auch schön gestaltete Dinge erleben.“ Auf lange Sicht sei es ihr Ziel, die Infotafeln im Schlosspark zu erneuern – inklusive einer digitalen Variante.
Große Sorgen bereite Josefine Frank die Vitalität der Pflanzen. „Mehr als 2000 historische Bäume wachsen bei uns. Davon sind viele aufgrund andauernder Trockenheit und Hitze in einem schlechten Zustand.“ Eine der zwei Blutbuchen musste bereits gefällt werden.
Als eine große Herausforderung sieht die Schlossherrin die Sanierung des Kuppelsaals. „Der größte klassizistische Saal in Sachsen wartet schon seit 20 Jahren auf seine Verschönerung.“ Wenn Josefine Frank mal eine Auszeit braucht, unternimmt sie eine Runde durch den Schlosspark. Zu jeder Jahreszeit gebe es hier etwas zu entdecken. „Ich habe das Glück, an dem Ort zu arbeiten, wo andere Erholung suchen.“

Josefine Frank sammelt Spruchkarten. Von ihrem Schreibtisch aus hat sie einen guten Blick auf eine kleine Auswahl.

Da Josefine Frank Katzen mag und selbst eine zu Hause hat, bekommt sie oft Präsente, die mit ihrem Haustier zusammenhängen – wie diesen Katzen-Magneten, der an der Pinnwand hängt.

An der hinteren Wand hängen sechs Reproduktionen der „Pillnitzer Centurien“. Das sind detaillierte Zeichnungen von 1000 Pflanzen aus dem Pillnitzer Park, die König Friedrich August I. erstellen ließ.

Auf dem Besprechungstisch steht ein Ableger der Pillnitzer Kamelie. Diese blüht jetzt im Frühjahr, bringt Farbe in den grauen Winteralltag und macht Lust auf die neue Saison im Schloss & Park Pillnitz.
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Fotos: Nannette Hoffmann
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